Warum mussten die Fichten
weg?

Fichten sind in der Eifel nicht heimisch.
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Die Fichte wurde im vorletzten Jahrhundert als
sog. "Prüsseboom" (Preußenbaum) in
großem Umfang in die Eifel eingeführt. Sie ist
hier allerdings nicht heimisch. Ihr
großflächiges Vorkommen am Gewässer hat
wesentliche Auswirkungen auf die heimischen
Lebensgemeinschaften: Ihre Nadeln können das
lebenswichtige Laub als Nahrungsgrundlage für
viele Bachbewohner nicht ersetzten, so dass die
heimischen Lebensgemeinschaften verarmen und
verdrängt werden. Fichtenanpflanzungen stellen
auch Wanderbarrieren für am Land lebende
Insekten und andere Tierarten dar und verhindern
so den Individuenaustausch zwischen
Lebensräumen. Auch Mikroorganismen, die
natürlicherweise zur Reinigung des Baches
beitragen, fehlen. Ebenso fehlen
Kleinstlebensräume wie Wassermoospolster. Die
Nadelstreu führt stellenweise zu einer
zunehmenden Versauerung. Nicht zuletzt beschatten
Fichtenforste ganzjährig den Boden, den Bachlauf
und die Quellen. Das kann im Jahresdurschnitt zu
einer niedrigeren Wassertemperatur führen.

Entfichtungsmaßnahme |
Entlang des Oberlaufs der Rur und des
Perlenbachs waren noch großflächig
Fichtenaufforstungen bis zur Gewässerkante
vorhanden. Im "Kyllquellgebiet"
betrug der Fichtenanteil in der
Gewässeraue nur noch ca. 5 %. Durch das
LIFE-Projekt "Lebendige Bäche in der
Eifel" wurden gewässernahe
Fichtenforste in Auwälder oder auentypische
Feucht- und Magerwiesen umgewandelt.

Die Schwarzerle - ein
Multifunktionswunder. |
Im Gegensatz zur Fichte ist die Schwarzerle
eine typische Baumart der Bruch- und Auwälder
und hat somit ihren Lebensraum in den Bachauen.
Ihr abgeworfenes Laub ist für viele Bachbewohner
die Hauptnahrungsquelle. Ihr weit verzweigtes
Wurzelsystem festigt auf natürliche Weise das
Ufer und bietet Fischen und anderen Bachtieren
Unterschlupf. Auf ihren Wurzeln leben zahlreiche
Mikroorganismen, die zur Reinigung des Baches
beitragen.
Warum ist die
Durchgängigkeit eines Fließgewässers wichtig?
Die Bachforelle
sucht zum Laichen sauerstoffreiche
Kiesbänke auf. |
Nicht nur Lachse, auch kleine Fischarten und
Rundmäuler wie die Groppe oder das Bachneunauge
müssen wandern, um zu ihren Laichgründen sowie
zu den Winter- oder Sommerlebensräumen zu
gelangen. Viele Fließgewässer sind jedoch durch
Wanderbarrieren (z.B. Wehre, Abstürze und Rohre)
verbaut. Schon kleine Abstürze von 20 cm stellen
für Kleinfischarten und Wirbellose
unüberwindbare Hindernisse dar. Die
Wiederherstellung der ökologischen
Durchgängigkeit ist daher ein wichtiges Ziel
unseres Projektes.
In den drei
Projektgebieten wurde die Wanderung der
Bachbewohner insgesamt durch über 80
Wanderhindernisse (z.B. Wehre, Verrohrungen,
Teiche im Hauptschluss) verhindert. Im Perlenbach
befanden sich in sieben Nebengewässern Teiche im
Hauptschluss, die die oberen Gewässerteile vom
Unterlauf abtrennten. Dazu kam noch ein Wehr im
Hauptgewässer. Darüber hinaus waren ca. 85 % der
Nebenbäche des Perlenbachs durch Verrohrungen
vom Hauptgewässer abgeschnitten. Im Bereich der
Rur befanden sich vier Wehre mit unterschiedlich
starker Barrierewirkung. Außerdem wurden mehrere
Nebengewässer durch Teiche im Hauptschluss oder
durch Verrohrungen zerteilt bzw. von der Rur
abgeschnitten. Auch in der Kyll war die lineare
Durchgängigkeit durch drei Teiche im
Hauptschluss und Verrohrungen in nahezu jedem
Nebengewässer unterbrochen. Ziel des Projektes
war es, alle Wanderbarrieren zu entfernen und
durch Brückenbauwerke unterschiedlicher Bauweise
zu ersetzen.
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| Abstürze von 20 cm Höhe stellten
für Kleinfischarten und Wirbellose
unüberwindbare Hindernisse dar. |
Verrohrungen wurden z.B. durch sog.
Stahlsonderprofile ersetzt. |
Wiederherstellung der
natürlichen Gewässerdynamik
Naturferne
Ufer- und Sohlenverbauungen wurden
beseitigt. |
Durch die Begradigung des Gewässerverlaufs
sowie die Befestigung der Gewässersohle und der
Ufer mit Betonplatten, Wasserbausteinen oder
anderen Materialien ging wertvoller Lebensraum im
Gewässer verloren. So waren natürliche
Gewässerstrukturen wie überhängende Ufer oder
das Hohlraumsystem der Gewässersohle in
ausgebauten Gewässerabschnitten nicht vorhanden.
Diese Strukturen waren für die heimischen
Bachbewohner allerdings unverzichtbar.
Naturnaher
Bachlauf |
Der Gewässerausbau war im Perlenbachsystem auf
einige Teilabschnitte des Perlenbachs, kurz
oberhalb der Mündung in die Rur, und der
Nebengewässer beschränkt. Im Bereich der Rur
traten derartige Ausbaumaßnahmen am Schwarzbach
und kleinen Abschnitten an der Rur auf.
Überwiegend handelte es sich um
Ufersicherungsmaßnahmen bei verstärkter
Seitenerosion. Für die Kyll war diese
Gefährdung kaum relevant.
Die vorhandenen Gewässerverbauungen sollten
beseitigt werden, so dass der Bach wieder seine
eigene Dynamik entfalten kann. Vielfältige
Strukturen wie Prall- und Gleitufer, Kolke und
Kiesbänke konnten sich dann wieder entwickeln.
Warum extensivieren?
Artenreiche
Bärwurzwiese |
Die Gewässerqualität wurde durch Nährstoffe
aus der landwirtschaftlichen Nutzung belastet.
Die Nährstoffe wurden in Form von Mineral- oder
organischem Dünger (Gülle) auf die Felder
gebracht. Wurden mehr Nährstoffe aufgebracht,
als die Pflanzen aufnehmen können, entstand ein
Nährstoffüberschuss. Diese Nährstoffe wurden
ausgewaschen und es kam zur Eutrophierung der
Gewässer.
Durch die Extensivierung (Verminderung der
landwirtschaftlichen Produktion) der
landwirtschaftlich genutzten Flächen im
Projektgebiet sollte der Nährstoffeintrag in die
natürlicherweise extrem nährstoffarmen
Gewässer minimiert werden. Dazu gehörte die
Schaffung von Gewässerrandstreifen, die einen
sehr effektiven Schutz vor diffusen Einträgen
bieten.
Im gesamten
Projektgebiet fand bereits eine extensive
landwirtschaftliche Bewirtschaftung der
Auenbereiche statt. Im Rahmen des Projektes sollte
sie über das Kulturlandschaftsprogramm der
Kreise weiterhin ausgeweitet werden.
Warum sind erhöhte
Einträge von Feinsedimenten schädlich?
Das Lückensystem
der Gewässersohle (Interstitial) ist der
entscheidende Lebensraum für viele
Wasserinsekten und die Jugendstadien von
Flussperlmuscheln. Fischarten oder Rundmäuler
wie die Bachforelle oder das Bachneunauge sind
ebenfalls auf ein offenes Lückensystem als
Laich- und Larvenhabitat angewiesen. Der
Verschluss des Interstitials durch Feinsedimente
war offensichtlich ein entscheidender Grund für
das Ausbleiben junger Flussperlmuscheln im
Perlenbach. Negative Auswirkungen auf die
kieslaichenden Fischarten waren ebenfalls
wahrscheinlich. Darüber hinaus bedeutete eine
starke Gewässertrübung grundsätzlich für alle
im Wasser lebenden Organismen einen nicht zu
unterschätzender Stressfaktor.
Nach starkem
Regen wurde die Feinsedimentbelastung der
Gewässer besonders deutlich. |
Die Hauptquellen der Feinsedimente sind
ackerbaulich genutzte bzw. vegetationsfreie
Flächen, unbefestigte Furten oder starke
Erosion. In den Perlenbach gelangte der größte
Teil der Feinsedimente über den belgischen
Truppenübungsplatz Elsenborn. Hier befanden sich
sehr ausgedehnte, vegetationsfreie Brandschneisen
und mehrere unbefestigte Furten, die von schwerem
Gerät genutzt wurden. Der Truppenübungsplatz
liegt außerhalb des Projektgebietes, so dass
keine Projektmaßnahmen in diesem Gebiet
durchgeführt werden mussten. In Absprache mit der
Standortverwaltung sollte der Sedimenteintrag
deutlich und nachhaltig reduziert werden. So sind
die Problembereiche erfasst und erste
Sedimentationsbecken unterhalb von Brandschneisen
gebaut worden. Zusätzlich waren eine stärkere
Befestigung von etwa zehn Furten, eine schonende
Unterhaltung der Straßengräben und eine
Sensibilisierung des Militärpersonals
vorgesehen. Im weiteren Verlauf des Perlenbachs
sowie im Bereich der Rur und der Kyll waren die
Feinsedimentquellen kleinräumig und verstreut
vorhanden. Es handelte sich dabei überwiegend um
unbefestigte Furten und kleine Teilabschnitte mit
fehlender Ufervegetation und verstärkter
Seitenerosion. Vereinzelt traten erhöhte
Feinsedimenteintäge auch nach Kahlschlägen oder
der sporadischen Nutzung eines Steinbruchs an der
Kyll auf.
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